Mittwoch, 24. Juni 2015

Die sieben Körpergewebe im Ayurveda

Im Ayurveda werden, ähnlich wie in der westlichen Medizin, verschiedene Körpergewebe unterschieden. Im Gegensatz zur Schulmedizin folgen diese sieben allerdings einer eigenen Logik. Sie stehen miteinander in Verbindung und bauen auch aufeinander auf.

Die sieben Körpergewebe werden im ayurvedischen Kontext als Sapha Dhatu bezeichnet. Der Begriff Dhatu stammt aus dem Sanskrit und bedeutet “tragende Struktur”.

Im Ayurveda sind die Gewebearten gestaffelt und unterscheiden sich unter Anderem in der Dauer des Erneuerungszyklus voneinander. Da sie aufeinander aufbauen, folgt daraus, dass die Krankheit eines Gewebes auch gleichzeitig die Krankheit aller vorangegangenen bedeutet.

Die verschiedenen Gewebe sind nun folgende:

  1. Das erste Gewebe, auf dem alle anderen aufbauen, wird Rasa genannt. Es handelt sich dabei um eine Art von Plasma, das sich über die Nahrungsaufnahme bildet. Über den Stoffwechsel werden alle anderen nachfolgenden Gewebe mit Hilfe des Plasmas mit Nährstoffen versorgt.
  2. Das Rakta sind die roten Blutbestandteile.
  3. Bei Mamsa handelt es sich um Muskelgewebe und Haut.
  4. Das Fettgewebe im Allgemeinen wird als Meda bezeichnet.
  5. Die fünfte Gewebeart trägt den Namen Asthi. Es ist das Knochengewebe (der stabilisierende Anteil).
  6. Knochenmark und Nervengewebe tragen den Namen Maya.
  7. Zur letzten Gewebeart zählen die Fortpflanzungsorgane im engeren Sinn, aber auch die Zellerneuerung. Sie nennt man Shukra.

Zusätzlich dazu gibt es noch eine Art feinstoffliche Substanz, Ojas genannt. Diese wird oft auch als achtes Dhatu bezeichnet. Es entsteht bei positiven Erlebnissen und ist zuständig für den Energiehaushalt des Körpers und die Kommunikation zwischen den einzelnen Gewebearten. Außerdem stärkt es die Abwehrkräfte und verbindet Körper und Geist.

Voraussetzung für starkes Ojas ist ein gutes Agni, also ein gutes Verdauungsfeuer. Ist Ojas nämlich schwach, sind die Lebenskraft sowie Vitalität und damit der ganze Organismus geschwächt.

Rasa oder Plasma ist also die Grundsubstanz, auf der alle anderen Gewebearten aufbauen. Durch die Verdauung wird Nahrung in Plasma umgewandelt. Es zirkuliert im ganzen Körper und versorgt so alle Gewebe mit Nährstoffen. Des Weiteren ist es für den Wasser- und Elektrolythaushalt zuständig. Rasa hat seinen Hauptsitz im Herzen, dem Lymphsystem, den Blutgefäßen und den Schleimhäuten.

Weiterer Stoffwechsel findet in den einzelnen Geweben selbst statt, der dann für die Produktion des nächsthöheren Gewebes jeweils die Nährstoffe liefert. Wird zu wenig Plasma gebildet, leiden alle Körpergewebearten und es fehlt an Vitalität.

Hier sieht man gut, welch große Bedeutung der richtigen Ernährung im Ayurveda zukommt. Das Körpergewebe bildet sich über den Stoffwechsel aus dem Plasma und damit in letzter Konsequenz aus der Nahrung.

Werden dem Körper nun durch ungesunde oder einseitige Ernährung nicht genügend oder falsche Nährstoffe zugeführt, kann das auf Dauer Probleme hervorrufen. Bei zu wenig Nährstoffen bedient sich der Körper an den eigenen Depots, bei zu vielen oder den falschen Nährstoffen legt er Depots an. Körperliche Befindlichkeitsstörungen und andere Symptome sind die Folge. Nach einer gewissen Zeit werden daraus schließlich Krankheiten.

Genauso wichtig wie die richtige Ernährung ist ein gut funktionierender Stoffwechsel. Diesem kommen im Körper sowohl nährende als auch reinigende Aspekte zu. Bei einer Störung der Reinigung sammeln sich Abfallprodukte an, was den Organismus belastet und schließlich wiederum zu Krankheiten führt. Diese manifestieren sich im Gewebe, wobei je nach Art unterschiedliche Organe betroffen sind.

Jedes einzelne Gewebe lässt sich übrigens einem der drei ayurvedischen Doshas - Vata, Pitta und Kapha - zuordnen. Der Gewebezustand, der individuelle Konstitutionstyp und das aktuelle Verhältnis der Doshas zueinander lassen so Rückschlüsse auf den jeweiligen Gesundheits- bzw. Krankheitszustand zu.